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Kurzbeschreibung des Nachbarschafts-Netzwerks

DORF
IN DER STADT

  Mini-ZweitwährungHallo-Leute-Modell ÜbersichtDorf-in-der-StadtInternet-Darstellung in VorbereitungMedienkonzeption

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Text: Philipp Heist


Reinhard Mehl erörtert dazu Hintergründe
und Perspektiven mit folgendem Beitrag:
Einige weitreichende Implikationen
der Nachbarschaftsnetzwerke






Grundlegendes über das Dorf in der Stadt
Im „Dorf-in-der-Stadt“ können sich die Menschen wieder mehr auf ihre Nachbarschaftsumgebungen beziehen und hier in vielfältigen Formen ein aktives Mit- und Füreinander mit neuen, lokalen Wirtschafts- und Arbeitskreisläufen organisieren. Die natürliche Bereitschaft für Nachbarschaftshilfe, Mitverantwortung, Engagement für das Gemeinwesen und weitere soziale Verhaltensweisen werden angesprochen, aktiviert und nachhaltig integriert. Die Gemeinschaftlichkeit wird wieder aufgewertet, ohne die individuellen Werte einzuschränken.

Mit neuen, selbsttragenden Organisationsformen wird eine Verlagerung mancher sozialstaatlicher Aufgabe hin zur Basis der Gesellschaft ermöglicht.

Die Ausdehnung eines Dorfes-in-der-Stadt ist nach diesem Modell zunächst auf einen Kreis von ca. 10 Minuten zu Fuß begrenzt. Eine Stadt kann viele solcher "Dörfer" beherbergen, wobei Benachbarungen und Überlagerungen möglich und sinnvoll sind.


Die Module des Dorf-in-der-Stadt-Modells sind:

> Kontaktmöglichkeiten: Redaktionsadresse, Büro, Infostand und weitere Treffpunkte, auch im Internet
> Organisationen und Unterstützung von Interessen- und Austauschgemeinschaften sowie von Nachbarschafts- und Selbsthilfegruppen verschiedenster Art
> Medien: Nachbarschaftszeitung, stadtweite, monatliche Netzwerkzeitung, Nachbarschafts-Portal im Internet, Austausch-Börse virtuell und gedruckt
> Tauschring als Zweitwährung
> Werbeplattformen für die lokale Wirtschaft
> Öffentlichkeitsarbeit, PR, Medienberichte



Etliche dieser Komponenten wurden vom Hallo-Leute-Netzwerk e.V. bereits über längere Passagen erprobt und können entsprechenden Projekten als Modell und Methode zur Verfügung gestellt werden. Das Gesamtsystem ermöglicht auch neue Erwerbs- bzw. Geschäftskomponenten, mit denen es weitgehend oder ganz selbsttragend werden kann.


Aufbau eines Dorfes in der Stadt
Der Einstieg ist aus kleinem, verständlichem Ansatz heraus möglich, und es liegen Motivation und Engagementbereitschaft vor. Daher ist der Start einer Dorf-in-der-Stadt-Initiative in Kombination mit einer Zweitwährung auf Tauschringbasis unschwer umzusetzen. Es empfiehlt sich die Kooperation mit der Stadtverwaltung, einem bürgerschaftlichen Verein (z.B. Tauschring), einem charitativen Verband, der Kirchengemeinde oder anderen geeigneten Institutionen, wobei aber eine weitgehende Unabhängigkeit und Selbständigkeit des Projektes angestrebt werden sollte. Die Initiative kann von einer Person oder einem engagierten, kleinen Team ausgehen, indem nach einer ersten Zusammenkunft eine Serie von Treffen organisiert wird. Dafür hat sich eine Betonung des Freizeit- und Interessenaustauschs gut bewährt. Doch auch andere Ansätze sind als Ausgangsposition möglich, z.B. "Selbsthilfegruppe Arbeit" oder "Seniorentauschring". Die Komponente der Geselligkeit sollte dennoch als einer der bewährten und nachhaltig tragfähigen Grundpfeiler einbezogen und gepflegt werden. Im Gefilde der notwendigen Problemlösungen ist das deshalb sinnvoll, weil damit das Modell immer auch durch das Flair von Freudigkeit und positiver Orientierung bestimmt bleibt. Ein Nachbarschaftsblatt mit Informationen und Anzeigen füllt schon bald ein hinreichendes Volumen und kann selbsttragend mit Werbung der örtlicher Geschäfte, Firmen und Institutionen finanziert werden. Das gleiche gilt für den Internetauftritt. Das sind zwei der wirtschaftlichen Grundlagen der Medienkonzeption. Darüber hinaus sind noch weitere Einnahmequellen zu erschließen. Für die Anfangsphase ist eine Startfinanzierung notwendig und muss mitbedacht und -organisiert werden. Sie kann in Form von Beiträgen der Teilnehmer realisiert werden. Es empfiehlt sich die Organisation als eingetragener Verein. Die Einbeziehung eines Tauschrings ist eine wesentliche Komponente des Systems. Wenn vor Ort ein Tauschring bereits existiert und bewährt läuft, sollte überprüft werden, ob er geeignete Eigenschaften aufweist und an einer Kooperation interessiert ist. Ansonsten kann das Minizeit-Zweitwährungsmodell verwendet werden. Die Tauschringliste soll grundsätzlich allen Austausch-Interessierten im Einzugsgebiet unabhängig von einer eventuellen Mitgliedschaft und egal von welchem Tauschring für Angebote, Gesuche, Vorschläge usw. zur Verfügung stehen. Die erste aktive Gruppe trägt den Start erfahrungsgemäß weit voran und ein Kernteam bildet sich bald heraus. Soziale Selbstversorgung, Nachbarschaftshilfe, Selbsthilfe und vielerlei Formen von Austausch in gegenseitiger Bezahlung mit Tauschringwährung sind die anfänglichen neuen "Arbeiten". Wenn die Kommune oder eine andere, geeignete Institution das Projekt unterstützen und selbst nutzen, sind damit noch weitere Arbeitsfelder zu kultivieren. Auch für die lokale Wirtschaft sind Arbeiten zu erschließen, die in der ersten Währung nicht mehr finanzierbar sind.

Das Dorf-in-der-Stadt setzt neue, bürgerschaftliche Engagementbereitschaft frei, die in dem System neben bezahltem Austausch eine der großen Energiequellen bedeutet. Mancher Austausch, der bisher auf ehrenamtlicher Basis nur spärlich erfolgte, kann nun teilweise mit der Zweitwährung entlohnt werden. Das kann eine beträchtliche Aktivierung bringen. Die OrganisatorInnen des Nachbarschafts-Netzwerkes und des Tauschringes sollten für ihre Arbeit auf jeden Fall einen regelmäßig bezahlten Ausgleich erhalten, damit diese wichtigen Basisarbeiten nicht für die im Ehrenamt so bekannten Ermüdungserscheinungen und Stagnationen anfällig werden.

Die Entlohnung kann in Normalgeld oder in Tauschring-Währung erfolgen oder in einer Kombination von beidem, z.B. halb und halb. Die Zweitwährung wird, wenn erst einmal eingeführt, von den Teilnehmern mit größter Selbstverständlichkeit genutzt. Die Verzahnung mit der Normalgeld-Wirtschaft ist über mehrere Brücken möglich. So entsteht die duale Wirtschaftsform, die beide Austauschebenen, die wettbewerbswirtschaftliche und hinzukommend die kooperationswirtschaftliche einbezieht.

Das gedruckte Nachbarschaftsblatt (Nachbarschaftszeitung) enthält Angebote, Gesuche, Tauschmöglichkeiten, Interessen-, Aktivitäten- und Hobbyvorschläge. Es berichtet über Aktualitäten aus dem Quartier und Wissenswertes über das Projekt und das Umfeld. Parallel dazu werden diese Informationen auch in der Internetseite angeboten, die noch weitere Austausch- und Kontaktmöglichkeiten bietet. Das Nachbarschaftsblatt wie auch der Internetauftritt sind ohne weiteres von Amateurredaktionen zu realisieren.

Mit den Mitteln der Treffen, des Nachbarschaftsblattes, dem Tauschverzeichnis und den Internet-Werkzeugen entsteht ein virtueller "Dorfmarkt", der sich auch konkret, z.B. an einem Infostand oder in Läden, Gaststätten und dem Redaktionsbüro etabliert. Ein solches Dorf-in-der-Stadt strahlt nach innen und außen eine neue, heimatliche Qualität aus. Zugehörigkeits-, Verbundenheit- Identitätsempfindungen und Integration werden wieder erschlossen, Qualitäten also, die sich in der heutigen Gesellschaft und besonders in den Städten weit zurückgebildet haben.

Synergetische Effekte verstärken die Zunahme von Motivation und Schwung, eine zügiges Anwachsen der Teilnehmerzahl ist zu erwarten. Als erstrebenswerte Größe werden einige hundert aktive "Dorfleute" vorgeschlagen. Wenn das Dorf weiter wächst oder sich von Anfang an auf eher zu großem Areal gebildet hat, kann je nach örtlichen Gegebenheiten eine Unterteilung sinnvoll werden.

Für die Gewinnung von Bekanntheit, zügige Ausbreitung und die Erschließung weiterer Finanzierungsmöglichkeiten ist Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Diese ist wiederum machbar, da die Medien, Zeitungen, Funk, Fernsehen an solchen Projekten interessiert sind, besonders wenn sie Auswege aus den aktuellen, bedrohlichen Problemen aufzeigen. Auch über die Internetseite können effektiv Informationen und andere Aktualitäten veröffentlicht werden.


Möglichkeiten für neue nachbarschaftliche Kooperationen und neue Arbeit
Durch die informellen Möglichkeiten entsteht Transparenz und Überschaubarkeit der Bedürfnisse, Gesuche und Wünsche, Hilfe- und Arbeitspotenziale, Kompetenzen, Gemeinsamkeiten in Interessen und Neigungen. Die lokalen Informationsplattformen sind eine der wesentlichen Grundlagen, auf deren Basis die nachbarschaftliche Austauschkultur schnell anlaufen kann und sich selbstverstärkend entwickelt, bis sie sich auf dem dauerhaft möglichen Niveau einpendelt. Mit diesem Austausch wird viel soziale Arbeit im Rahmen der bürgerschaftlichen Selbstersor- gung erschlossen, die bisher brach liegt. Eine neue Qualität des Umgangs miteinander wird eingeübt, neues Denken und Handeln werden möglich. Zukunftsbewusste Einstellungen, sozialere Spielregeln, ökologische Einsichten und anderen Qualitäten können Geltung gewinnen. Die "Dorfstimmung" ist von einer Haltung der gegenseitigen Anerkennung in einer vereinbarten Toleranzqualität -"Toleranz gegenüber Toleranten"- geprägt, was möglichst alle Unterschiede umfassen soll, Religion, Kultur, Weltanschauung, Hautfarbe, Sozialstatus usw.

Auf dieser Grundlage wird es ermöglicht, dass sich die Bürger selbst auf neue Art in arbeitsteiligen Strukturen organisieren, z.B. bei der Begleitung und Versorgung der Senioren oder bei der Kinder- und Jugendbetreuung. Alleinerziehende Eltern erfahren Stützung, Eltern und Paare bleiben über die unvermeidlichen Fluktuationen hinaus besser in Verbindung, was wiederum für die Kinder wichtig ist. In Ergänzung zu den traditionellen Familienformen können sich erweiterte Lebensformen (Patchworkfamilien und andere) entfalten, Singles finden untereinander und mit anderen mehr Kontakte und Verbundenheiten. Neue Wohnformen, Haus-Wohngruppen etc. können erprobt und aufgebaut werden. Kooperationen werden ermöglicht, Selbstversorgungs-Organisationen, vielfältige Nachbarschaftshilfen, Einkaufs- und Bevorratungs-organisationen, Gemeinschaftsräume, Werkstätten, Gartenbau, eventuell Landwirtschaft, Carsharing, u.v.m.

Einige der wesentlichen Grundlagen für all diese Austausch- und Organisationsformen sind also: die Begrenzung auf räumliche Nähe, informelle Vernetzung und Transparenz, neue Bezahlbarkeit mit einem „Hier-Geld“. Daraus kann sich eine Vielzahl von Ansätzen für selbständige Existenzen und neue gewerbliche Kleinbetriebe ableiten. So werden der zusätzliche Arbeitsmarkt und eine neue Art von Konjunktur erschlossen, den Staat und die bestehende Wirtschaftform mittragend.


Motivation, Ausgangssituation
Das Dorf-in-der-Stadt vernetzt neue Interessengemeinschaften und Freundeskreise, vermittelt Bekanntschaften, Beziehungen, Partnerschaften, löst Vereinzelung und Vereinsamung auf. Ein Nachbarschaftsmarkt entsteht mit vielfältigem Austausch in Interessen, Sachen, Hilfen, Leistungen usw. Das trägt zur Anhebung des sozialen sowie auch des materiellen Wohlstandes und zur Aufrechterhaltung der Nachbarschafts-Vernetzung bei.

Die zusätzlichen Möglichkeiten des Bezahlens mit einer sozialen Zweitwährung eröffnen für das ehrenamtliche, freiwillige bzw. bürgerschaftliche Engagement neue Möglichkeit der geldlichen Anerkennung. Mehr Engagement wird dringend eingefordert, aber es hat in mangelnder Wertschätzung bei gleichzeitiger, geldlicher „Umsonstigkeit“ sein größtes Hinderniss. Obwohl es oft hohen Zeiteinsatz verlangt, wird es von der Öffentlichkeit nicht adäquat wahrgenommen und zu gering gewürdigt. Die Tauschringe bzw. Zweitwährungen können hier eine Aktivierung und Steigerung bewirken.

Darüber hinaus vermitteln die neuen Möglichkeiten für Austausch und Arbeit Hoffnung auf eine zukunftsfähige Organisation des Sozialen. Mit der Bündelung all dieser Motivationsspuren sind gute Resonanz und Teilnahme an dem Zukunftsprojekt aktivierbar. Das Dorf-in-der-Stadt-Modell kann neuen Optimismus freisetzen und eine Aufbruchstimmung bewirken.



Gesamtgesellschaftliche Bedeutung

Das System trägt zur Stabilisierung der Gesellschaft, zur Erweiterung der Wirtschaft, zur Integration der gesellschaftlichen Gruppen und zur Vorbereitung auf absehbare, weitere Veränderungen bei. Stichwortartig seien die gesellschaftlichen Bereiche aufgeführt, in denen positive Auswirkungen des Projektes zu erwarten sind:

> für Familien werden neue, flexiblere Organisationsformen ermöglicht;
> selbsttragende, nachbarschaftliche sowie auch die verwandtschaftliche Pflege, Kranken- und Seniorenhilfen werden durch Befähigung zu Eigenorganisationen erleichtert;
> Bereitschaft zu bürgerschaftlichem Engagement, Mitverantwortung und Partizipation entstehen bzw. werden gefördert;
> der Tauschring für Nachbarschaftshilfe führt neben dem sich für viele Menschen verknappenden Geld eine Komplementärwährung ein. Deren Umsätze sind zwar im Vergleich zur Globalwirtschaft klein. Aber im Hinblick auf die Aktivierung der sozialen Selbst-Tragekräfte ist ihre Bedeutung groß. Das Vorhandensein einer potentiellen Redundanzwährung übt darüber hinaus einen beruhigenden und stabilisierenden Einfluss aus.
> Arbeit: brachliegende Beschäftigungs- und Arbeitspotentiale werden freigesetzt. Das Mitwirken darin gewinnt im Sinne von "richtiger Arbeit" neues Ansehen. Zusätzlich zu den bisherigen Formen der Erwerbsarbeit entsteht eine neue Arbeitssphäre in bürgerschaftlicher sozialer Kooperation und sozialer Selbstversorgung.




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