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Das Dorf-in-der-Stadt ist ein Entwurf für das Zusammenleben, nach dem sich die Menschen wieder stärker in ihren Nachbarschaftsumgebungen orientieren und hier in vielfältigen Formen ein neues Mit- und Füreinander, sogar mit neuen, lokalen Wirtschafts- und Arbeitskreisläufen, erschließen.
Es ermöglicht, in der Nachbarschaft oder dem Quartier in leichter Weise in Kontakt und Austausch miteinander zu treten, Geselligkeit, Austausch, Anregung, gegenseitige Unterstützung zu finden. Diese Möglichkeiten sind heute i.A. zu wenig vorhanden, ersichtlich an Klagen über Anonymität in Städten, Vereinsamung, Isolation, wenig Familiengefühl, Werteverfall. Gründe mögen sein die Erfordernisse modernen Wirtschaftens wie häufige Ortswechsel, Trennung von Arbeitsort und Wohnort, eine ablenkende Vielfalt an Angeboten und Möglichkeiten.
Die Kontakte müssen jedoch angeregt werden, denn trotz des starken Wunsches nach menschlichem Kontakt stehen simple Hemmungen entgegen. Diese einfache Einsicht zu gewinnen und ernst zu nehmen ist eine der Leistungen des Hallo-Leute-Ansatzes.
Bei allen Hallo-Leute-Aktivitäten gilt die Regel von der "unverbindlichen Verbindlichkeit": jeder kann das Maß von Nähe und Ferne in seinen Kontakten selbst bestimmen. Diese Prämisse wirkt zusätzlich ermutigend neue Kontakte aufzunehmen, denn dies fällt leichter, wenn von vornherein klar ist, daß auch ein Sich-Zurückziehen in Ordnung ist. Das unterscheidet Hallo-Leute-Netze von früheren, z.B. dörflichen Gruppen: alle Vorteile urbanen Lebens wie Ungebundenheit, individuelle Lebensgestaltung, die Möglichkeit, vieles ausprobieren zu können usw. bleiben erhalten, die weiter oben genannten Vorteile des Gruppenlebens (Geborgenheit, gegenseitige Hilfe usw.) sind jetzt jedoch auch vorhanden. Es werden die Vorteile dörflichen und städtischen Lebens miteinander verbunden unter Vermeidung der Nachteile: dies kommt in der Formel "Dorf in der Stadt" zum Ausdruck.
Der Kontakt wird mit verschiedenen Mitteln ermöglicht:
-Nachbarschaftszeitung
-Tauschring mit Tauschwährung
-Nachbarschaftstreff oder -büro
-regelmäßige Treffen
-Internetseite
Die Nachbarschaftszeitung enthält: das Tauschringverzeichnis für Sachen und Dienstleistungen; Inserate für Freizeitaktivitäten, Hobbypartner, kleine Hilfen; Termine; Artikel zum Quartier u.ä.; Werbung. Die Internetseite informiert über das Nachbarschaftsnetz, kann aber auch alle Informationen der Nachbarschaftszeitung enthalten. Im Idealfall ist sie ein Nachbarschafts-Portal, inkl. einer Datenbank für optimale Zugänglichkeit und Darstellung aller Informationen.
So kann z.B. auch ein permanenter virtueller Nachbarschaftsflohmarkt entstehen. Es können sich Interessen- und Austauschgemeinschaften verschiedenster Art organisieren, z.B. eine Einkaufsorganisation, Carsharing, Gemeinschaftsräume usw..
Besonders ein Tauschring mit einer lokalen Nachbarschaftswährung ist sehr hilfreich, da sich zeigt, daß mit einer solchen Tauschwährung viel bereitwilliger ausgetauscht wird als mit regulärem Geld und somit mehr Austausch und Kontakt zustande kommt.
Wichtig ist der räumliche Bezugsrahmen: damit sich ein Gefühl von Zugehörigkeit entwickeln kann, sollen die Netzwerke einen Durchmesser von ca. 10 Gehminuten haben. Dies bewirkt ein Wir-Gefühl "hier, wo wir wohnen".
So entsteht ein Netzwerk mit einem sehr hohen Maß an Gestaltungsmöglichkeiten. Das Internet, selbst ja ein Netzwerk, ist dazu ein geradezu exemplarisch geeignetes Medium. Es wird eine mikrolokale Transparenz erreicht, in welcher die Menschen ihre gemeinsamen Interessen entdecken und neue Ideen entwickeln. Das Netzwerk regt sozial konstruktive Anteile der Menschen an, erlaubt den Menschen, sich in dieser Richtung zu entfalten und zu entwickeln. Neue Potentiale werden erschlossen, flexible Organisation ermöglicht.
Z.B. wird das Potential der Hilfsbereitschaft erschlossen: die einseitige Auffassung, daß der Mensch immer nur seinen eigenen Vorteil im Auge hätte, wirkt ideologisch fixiert und wird dem Menschen keineswegs gerecht. Es gibt sehr wohl eine Bereitschaft zu altruistischem Verhalten, die aber in einer materialistisch ausgerichteten Gesellschaft in fast beleidigender Weise konsequent geringgeschätzt wird. Hallo-Leute-Netzwerke bieten die Möglichkeit, kleine Hilfen zu leisten. Entscheidend ist aber, daß die Menschen dabei nicht überfordert werden: es gibt keinen unterschwelligen moralischen Druck, und die jeweils individuelle Grenze der Hilfsbereitschaft wird immer anerkannt. So ist es eben die freilassende geistige Grundhaltung des Hallo-Leute-Ansatzes, welche erst die Potentiale zu nutzen erlaubt.
Auch das Potential nicht arbeitender Menschen kann so erschlossen werden: Frührenter und auch Renter, Arbeitslose, Hausfrauen, deren Kinder aus dem Haus sind, können sinnvolle Betätigung finden.
Zum konkreten Vorgehen für den Aufbau eines "Dorfs" siehe Aufbau eines Dorfes-in-der-Stadt
Zur Projekthistorie des Dorf-in-der-Stadt siehe Überblick über die bisherige Entwicklung.
Mit der sogenannten Undina-Methode wird versucht, eine systematische Methode zu sozialer Verbesserung anzubieten. Ausgangspunkt der Entwicklung der Methode durch Philipp Heist war die Frage: wie kann Veränderung hinsichtlich des Verhaltens der Menschen bewirkt werden? Dies besonders auch vor dem Hintergrund, daß die Umwelt des Menschen sich schnell ändert, das Verhalten der Menschen als Reaktion darauf aber langsam; Beispiel: Ressourcenverbrauch von Luft, Wasser, Rohstoffen. Es müßte also ein Weg gefunden werden, Veränderung schnell zu bewirken. Als Prämisse galt: von oben, von der Spitze der Gesellschaft, sind strukturbedingt keine adequaten Reaktionen zu erwarten. Also müssen die Veränderungen von der Basis der Gesellschaft ausgehen.
Im nächsten Schritt wurde gesagt: um zu bewegen, muß eine starke Motivation angesprochen werden, z.B. Geld; Beziehung; Gesundheit; Sexualität; Religion. Der Nachbarschaftsansatz ergibt sich aus der Auswahl der Motivation Beziehung.
Nächste Frage: wie kann man eine Entwicklung schnell machen? Das Projekt muß einfach und leicht kopierbar bzw. übertragbar sein, und es muß allen Beteiligten Gewinn bringen. Der Gewinn kann in Geld, auch Zweitwährung, bestehen, oder anderer Entlohnung, oder auch ein ideeller Gewinn sein in Form von Ansehen und sozialem Status; entscheidend ist, daß die Motivierung durch den Gewinn nachhaltig ist. Ausschließlich ideeler Gewinn ist dies im Allgemeinen, jedenfalls auf breiter Basis, nicht. Unter diesen Voraussetzungen ist zu erwarten, daß ein Ansatz sich schnell und selbstverstärkend, lawinenartig, ausbreitet. Daher auch die Bezeichnung: Undina = kleine Welle.
Es handelt sich also um die gezielte Anregung sozialer Verbesserungsprozesse. Bisher liegt noch kein Beispiel vor, wo gezielt ein derartiger Prozeß mit der Absicht sozialer Verbesserung vollständig durchgeführt worden wäre. Würde die Methode jedoch nachweislich funktionieren, so könnten entsprechend dem erfolgreichen Beispiel beliebig viele andere Wellen gestartet werden mit dem Ergebnis einer Vielzahl schneller sozialer Verbesserungen.
Die Undina-Methode läßt sich unter den meisten Regierungsformen umsetzen, z.B. auch in autoritären Regimen, da sie die bestehenden Strukturen nicht angreift, sondern neue Strukturen entwickelt, welche im Erfolgsfalle an die Stelle der alten treten können. Die Methode schafft Veränderungen evolutionär, nicht revolutionär, aber dennoch schnell. Das Problem revolutionärer Veränderung ist die Nutzung gewaltsamer Strukturen und das Vergeltungsbedürfnis der Unterlegenen. Angesichts dessen kann die Bedeutung eines Weges zu effektiver, nicht gewaltsamer Veränderung überhaupt nicht überschätzt werden.
Für all diejenigen, die im Empfinden von Ungerechtigkeit und Unveränderbarkeit ihrer Lage zur Gewalt greifen, sind Undina-orientierte Ansätze eine Hoffnung, konstruktiv für ihre Ziele zu wirken. So können riesige Mengen konstruktiver Kräfte freigesetzt werden, die sich andernfalls in Konfrontation aufreiben würden.
Undina-Projekte wirken verbessernd, ohne daß die Teilnehmer gute Absichten haben müssen. Am Beispiel Nachbarschaftsvernetzung: keiner muß aus dem Wunsch heraus teilnehmen, demokratische Partizipation oder Selbstverantwortlichkeit zu stärken, totalitären Ideologien vorzubeugen, syteminhärente Probleme zu beheben o.ä.. Diese Effekte ergeben sich vielmehr sozusagen als Nebenwirkung, allerdings nicht als unbeabsichtigte. Der Teilnehmer nutzt die Möglichkeiten der Netze, um sein Leben besser zu meistern. Durch die Kontakte, die er dabei in der direkten Umgebung erschließt, ergeben sich Gespräche, die Menschen werden sich ihrer Wünsche bewußt, finden Gleichgesinnte, und schon entwickelt sich neues konstruktives Handeln.